Foren
KI reflektieren
Durch KI rücken manche gesellschaftlichen und ethischen Fragen ganz neu in den Blick. Fünf Foren zu Themen mit besonderer Relevanz für Kunst und Kultur bieten die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion.
Forum 1: Model Collapse. Kulturelle Arbeit und die Zukunft der Wissensgesellschaft
Kulturelle Arbeit ist Arbeit, wird aber teils nicht so betrachtet und daher an einigen Stellen nicht so behandelt. Die schöpferisch Tätigen sind der Asymmetrie monopolisierter Märkte ausgeliefert, was zum Verlust der Resilienz an der Basis der Kultur-, Medien- und Wissensarbeit führt. Konflikte um das Recht an der eigenen Arbeit existierten schon lange vor KI. Doch generative KI wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der auf ein hell loderndes Feuer trifft.
Gleichzeitig ist die Gesellschaft auf die Leistung der schöpferisch Tätigen, und damit auch der Künstler:innen, angewiesen. Mehr als ihr klar ist. Und weit mehr als sie aktuell in Fragen von Rechtsetzung und Regulierung bereit ist zu berücksichtigen.
Besonders mit Blick auf das Urheberrecht nehmen in weiten Teilen von Kunst und Kultur Verunsicherung und Wut zu. Neben die Sorge um das Recht an der eigenen Arbeit - und damit letztlich um die künstlerische Profession - tritt die Überforderung durch die Komplexität und das Tempo aktueller Entwicklungen, die nie nur technologisch sind.
Das beste Mittel gegen Ohnmacht ist Orientierung und um Entlastung zu finden hilft es, die relevanten Fragen zu kennen. Welche Perspektiven haben professionell schöpferisch Tätige in einer Zukunft ohne Vergütungsanspruch bei der Verwertung ihrer Arbeit durch KI? Und welchen Einfluss hat diese Entwicklung auf die Relevanz von Kunst und Kultur in der Gesellschaft? Zu diesen und anderen wichtigen Fragen geben wir in diesem Forum die Möglichkeit zum Austausch.
Matthias Hornschuh, Komponist/Publizist (Köln)
Forum 2: KI und Datenschutz
Die Nutzung von KI kann unsere Arbeit erleichtern und effizienter machen. Gleichzeitig müssen wir bei der Nutzung von KI sowohl unseren eigenen Umgang mit unseren eigenen personenbezogenen Daten als auch unseren Umgang mit den Persönlichkeitsrechten und personenbezogenen Daten anderer Menschen hinterfragen. Gerade im Kulturbereich stellt sich die Frage welche KI-Tools können wofür genutzt werden, welche eher nicht, welche Informationen dürfen verarbeitet werden und wer entscheidet darüber. Zwischen Datenschutz, Persönlichkeitsrechten und Transparenz stellen sich viele Fragen zum rechtssicheren und verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das Forum "Datenschutz" beleuchtet welche Herausforderungen oder gar Risiken KI-Anwendungen für Institutionen und Kulturschaffende bergen können, und zeigt zugleich, wie vertrauenswürdige und sichere Praktiken der KI-Anwendung gestaltet werden können. Das Forum diskutiert diese Fragen anhand praktischer Beispiele. Ziel ist es, den Teilnehmenden eine Orientierung zu bieten und gemeinsame Standards im Umgang mit dem Thema Datenschutz zu reflektieren, die Kreativität fördern, ohne den für eine demokratische Gesellschaft wichtigen Datenschutz zu vernachlässigen.
Astrid Christofori, Anwältin (Wuppertal)
Forum 3: KI und Nachhaltigkeit – Zwischen Hoffnung und Verantwortung
Generative KI beinhaltet zum einen ein Versprechen für effizientere gesellschaftliche Mechanismen und zum anderen eine Bedrohung unserer Umwelt und unserer sozialen
Strukturen. Dieses Spannungsfeld bewegt nicht nur Technik- und Nachhaltigkeitsexpert:innen. In dem Forum beleuchten wir diese Aspekte: von visionären Ansätzen, um mit Hilfe von KI Möglichkeiten der Kulturarbeit zu unterstützen bis hin zu den kritischen Fragen nach Energieverbrauch, ökologischer Belastung und gesellschaftlicher Verantwortung. Nach einem kurzen Impuls sind die Teilnehmer:innen eingeladen, ihre Gedanken, Bedenken und Ideen einzubringen. Gemeinsam wollen wir den Handlungsraum ausloten, Perspektiven austauschen und nach Wegen suchen, wie Kultur- und Kreativarbeiter:innen nachhaltig mit KI umgehen können. Offen für Skepsis wie für Optimismus – und für alle, die die Zukunft aktiv mitgestalten möchten.
Stephan Ley, LUWE GmbH (Erftstadt)
Forum 4: ChatGPT und Stereotype – Ausschluss vorprogrammiert?!
Mit vortrainierten Sprachmodellen wie ChatGPT hält die Künstliche Intelligenz (KI) Einzug in unsere Lebenswelt. Der Einsatz dieser Systeme ist nicht nur stark von den Kompetenzen der Nutzer:innen abhängig, sondern birgt mit Blick auf das Tradieren von Diskriminierungsstrukturen und Biases vielfältige Gefahren. Das hat mit der Zusammensetzung
der Trainingsdatensätze der Systeme zu tun, aber auch damit, wer den Code schreibt. Generative KI tradiert Stereotype in Text und Bild, sie verstärkt hegemoniale Deutungshoheiten und Ausschlussmuster. Woran liegt das und wie sehen Lösungsmöglichkeiten aus?
Katharina Mosene, Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (Berlin) und Leibniz-Institut für Medienforschung (Hamburg)
Forum 5: Körper im Code – Künstlerische Forschung zwischen Magie und KI
Ausgehend von Charlotte Triebus‘ künstlerischem Kommentar „Precious Camouflage: The Code“ nimmt das Forum die ethischen und politischen Spannungsfelder zwischen Körper, künstlerischer Praxis und Künstlicher Intelligenz in den Blick. Wo liegen die Klippen, wenn Kunst Räume für Technologien öffnet – und welche Verantwortung entsteht daraus?
Charlotte Triebus, Forscherin und Choreographin (NRW)
Simone Schiffer, LWL-Kulturabteilung (Münster)